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Der dreibeinige russische Hund am Arbeitsplatz

von Joachim Muth | 04.08.2018

Vor ein paar Tagen suchte ich nach einem bestimmten Urteil aus dem Bereich der betrieblichen Übung. Ich stieß dabei zufällig auf ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf, das sich mit dem Problem „Hund am Arbeitsplatz“ beschäftigte. Tatsächlich handelte es sich um die dreibeinige, aus Russland stammende Hündin Kaya. Ihre Besitzerin hatte sie so sehr ins Herz geschlossen hatte, dass sie vor Gericht mit ihrer Arbeitgeberin darum stritt, sie (weiterhin) zur Arbeit mitbringen zu dürfen. Was sich im Geschäftsführungssekretariat einer Düsseldorfer Werbeagentur abspielte, ist erstaunlich:

Die Lage

Erstes Gespräch über den Hund am Arbeitsplatz

Das Verbot

Die Klage

Mit ihrer Klage in Sachen dreibeiniger Hund am Arbeitsplatz versuchte die Klägerin allerhand zu erreichen, nämlich

– in erster Linie der Arbeitgeberin aufzugeben, ihr zusammen mit ihrem invaliden Hundes wieder den Zutritt zu den Büroräumlichkeiten zu gewähren,

– hilfsweise der Arbeitgeberin aufzugeben, ihr Zutritt zu den Büroräumlichkeiten im Beisein des Leiters der Polizeidiensthundestaffel W. für zwei Tage von 09:00 Uhr bis 18:00 Uhr zu gewähren, um ein etwaiges aggressives territoriales Verhalten des Hundes aufzuheben und ihr Verhaltensauflagen zur ordnungsgemäßen Führung des Hundes zu geben

– und falls das alles nichts wird, der Arbeitgeberin aufzugeben, ihr gemeinsam mit dem Hund Zutritt zu den Büroräumlichkeiten mit der Maßgabe zu gewähren, dass dieser in einem von der Arbeitgeberin zu bezahlendem (!) Gitterlaufstall gehalten wird.

Das Ergebnis: Hund am Arbeitsplatz verängstigte Kollegen

Das Arbeitsgericht Düsseldorf hatte insgesamt vier Mitarbeiter zu dem Verhalten des fraglichen Hundes befragt. Diese berichteten, dass der Hund am Arbeitsplatz der Klägerin ein furchteinflößendes Territorialverhalten an den Tag lege. Der Hund würde immerzu furchteinflößend knurren. Bei einer Kollegin war es so weit gegangen, dass sie Post für die Klägerin nicht mehr in dem Raum abgegeben, sondern unter der Tür durchgeschoben hat.

Im Ergebnis versagte das Arbeitsgericht Düsseldorf der Klägerin ihren Hund am Arbeitsplatz zu halten. Die beklagte Arbeitgeberin habe im Interesse der Kolleginnen und Kollegen für einen „angstfreien Arbeitsplatz“ zu sorgen. Diese müssten sich nicht regelmäßig anknurren lassen, nur weil sie das Zimmer der Klägerin betreten.

Die Klägerin wollte das jedoch nicht akzeptieren und zog vor das Landesarbeitsgericht. Das jedoch hatte am Urteil der ersten Instanz nichts auszusetzen und wies die Berufung zurück. Die Revision wurde nicht zugelassen, so dass sich jetzt nicht auch noch das Bundesarbeitsgericht mit dem dreibeinigen Hund am Arbeitsplatz beschäftigen muss.

Ob die Klägerin auch heute noch das Vorzimmer der Geschäftsführung besetzt, ist nicht bekannt.

 

Joachim Muth, Fachanwalt für Arbeitsrecht

 

Anmerkung:

Soweit Kursivschrift verwendet wurde, sind damit wörtliche Zitate aus dem Urteil des LAG Düsseldorf vom 24. März 2014 – 9 Sa 1207/13 gekennzeichnet.

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