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Ist Datenschutz im Internet unmöglich?

von Dirk Vollmer | 11.07.2013

 

Die aktuelle Medienberichterstattung offenbart fast täglich neue Datenschutz-Skandale durch Hackerangriffe, Spähprogramme, „undichte Stellen“ usw. – und es wird einem bewusster, dass der „ungeschützte“ Datenverkehr, also ohne besondere Schutzmechanismen wie z.B. Verschlüsselung, im Internet gefährlich ist.

Datenschutz (Schutz personenbezogener Daten)

Nach der gesetzlichen Definition in § 3 Abs.1 BSDG sind personenbezogene Daten „Einzelangaben über persönliche oder sachliche Verhältnisse einer bestimmten oder bestimmbaren natürlichen Person (Betroffener)“. Datenschutz geht uns alle an. Unser deutsches Grundgesetz schützt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Zumindest in der Theorie. Aber lässt sich dieser Schutz im Internet überhaupt verwirklichen? Das Internet wird erst seit 1990 kommerziell genutzt (nach Freigabe durch das US-Verteidigungsministerium). Die Netzarchitektur ist offen und basiert auf verschiedenen Netzwerk-Arten, darunter auch – der CDU mag schon das Schauder einflößen – autonome Netzwerke.

Betreten wir tatsächlich „Neuland„, wie Bundeskanzlerin Merkel im Juni 2013 meinte?

Wohl kaum. Wir leben in der Informationsgesellschaft. Der Zugang zum Internet ist heute elementar. In Deutschland gehören die Kosten des Internet-Anschlusses zum Existenzminimum und mitunter wird die verfassungsrechtliche Anerkennung eines Rechts auf soziokulturelle Teilhabe gefordert. Unabhängig von der Frage, ob alle mitmachen wollen, soll zumindest keiner ausgegrenzt sein (Stichwort: „digitale Kluft„). In unserer vernetzten Welt ist kein Platz für Naivität.

Die Öffentlichkeit erfährt zwar erst jetzt vom Ausmaß geheimdienstlicher Aktivitäten. Über die „heimliche“ Vorratsdatenspeicherung der NSA hat Spiegel Online hier einiges zusammengetragen. Aber auch vorher schon musste allen klar sein:

Wenn etwas in digitalisierter Form existiert und ans Internet angeschlossen ist, sind Datenschutz bzw. IT-Sicherheit keine absoluten Begriffe.

Wer „hundertprozentige“ Sicherheit und Datenschutz verspricht (oder wirklich an solche glaubt), wird früher oder später enttäuscht sein. Meist vergeht nur wenig Zeit, bis die ersten Hacker die Barrieren überwunden haben. Richtig ist natürlich, dass man es den Angreifern zumindest etwas schwerer machen kann (und sollte) durch Einsatz verschiedener Soft- und Hardware.

Verschlüsselung ist kein Allheilmittel

Prism, Tempora & Co. beschaffen unglaubliche Datenmengen. Gespeichert werden die Daten ohne Rücksicht auf eine vorhandene Verschlüsselung. Dass die Daten dann erst einmal mangels Personal und Technik nicht ausgewertet werden können, scheint egal zu sein. Der Speicherplatz scheint unbegrenzt. Im Jahr 2012 lag das monatliche Datenaufkommen im festverkabelten, öffentlich zugänglichen Internet (nach Angaben bei Wikipedia) bei mehr als 26,7 Exabyte (1 Exabyte = 1 Mrd. Gigabyte), täglich also etwa ein Exabyte. Pro Tag wird also eine Datenmenge durch das Netz transportiert, die dem 2.500-fachen aller Bücher, die jemals auf der Welt geschrieben wurden (in allen Sprachen), entspricht. Nach Schätzungen wird sich diese Menge bis 2015 mehr als verdoppeln.

Ist Datenschutz im Internet also unmöglich?

Zur Technik kann ich nicht viel sagen. Aber mein Vertrauen in den Datenschutz bzw. in die Fähigkeit von Staaten, ihren Bürgern einen effektiven Schutz ihrer Daten zu gewährleisten und zu überwachen, ist zerstört. In Deutschland werden Erinnerungen an die DDR-Zeit wach (Ministerium für Staatssicherheit).

Man bewegt sich in Grauzonen (z.B. lesen manche E-Mail-Provider die Postfächer mit und verweisen auf ihre AGB) bzw. agiert schamlos illegal. Die technischen Möglichkeiten, Daten auszuspähen, Identitäten vorzutäuschen, Firmen um ihre Geheimnisse zu bringen, usw. sind scheinbar unbegrenzt. Auch wenn wir davon wenig mitbekommen (und auch nicht immer alles wissen wollen): Es herrscht „Krieg“ (cyberwar), wenn auch nicht im klassischen Sinn. Hier streiten keine Staaten um Territorien oder Ressourcen, hier bekämpfen sich private und staatliche Stellen mit Mitteln der Informationstechnik.

Wer will gläsern sein?

Ich werde mir die Datenbrille von Google nicht kaufen. Ich bin ja nicht bescheuert und liefere den Google-Servern (und Dritten) meine eigenen Daten auch noch frei Haus. Interessant wird vor allem sein, wie die Umwelt auf diese zweifelhafte „technische Errungenschaft“ reagiert. Wenn das Gegenüber am Tisch eine Google-Brille aufhat und vor sich hin brabbelt, überlegt man, ob da gerade ein Foto/Video von mir in Social Media an 200.000 „Freunde“ verteilt wird…

 

 

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