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Google bietet digitales Testament an

von Dirk Vollmer | 20.04.2013

Das Unternehmen Google hat vor kurzem präsentiert, welche Einstellungen vorgenommen werden können für den Fall, dass die Aktivität auf einem Google-Konto aufhört. Zum Beispiel kann der Nutzer einstellen, dass die bei Google gespeicherten Daten nach einem Zeitraum von drei, sechs, neun oder zwölf Monaten automatisch gelöscht werden. Der Nutzer kann auch bestimmte Personen benennen, die dann vom System automatisch die Einwahldaten zugesendet bekommen. Mit dem „Inactive Account Manager“ könne der Nutzer seinen digitalen Nachlass regeln.

Na ja. Gemeint ist wohl eher, dass der Nutzer (endlich) auch bei Google Vorsorge treffen kann, dass seine digitalen Spuren, die er im Laufe seines Lebens bewusst oder unbewusst bei Google hinterlässt (aktuelles Stichwort: Google Glass), irgendwann auch mal wieder aus dem Speicher gelöscht werden. Ob diese Daten, die für die Hinterbliebenen ja mitunter höchst peinlich oder schockierend sein können, im Netz dann wirklich vollständig gelöscht sind, also auf keinem Rechner dieser Erde gespeichert sind, bleibt offen.

Google gibt an, der Nutzer werde nach Ablauf der eingestellten Frist zunächst angeschrieben, um zu überprüfen, ob er wirklich verstorben ist. Clever. Schließlich kann es tatsächlich mal vorkommen, dass sich jemand 3 Monate lang aus ganz anderen Gründen nicht in sein Nutzerkonto bei Google einloggt. Er muss ja nicht gleich tot sein…

Gibt es überhaupt ein „digitales Testament„, das in Deutschland Gütligkeit hat? Hier muss differenziert werden. Nach deutschem Erbrecht bestehen strenge Formvorschriften für ein wirksames Testament. Ein privates Testament (im Unterschied zum notariellen Testament) muss der Erblasser selbst handschriftlich geschrieben und unterschrieben haben. Darin kann er selbstverständlich auch verbindlich festlegen, was die Erben mit seinem digitalen Vermächtnis tun dürfen oder nicht.

Die Vorstellung, dass man nicht nur die Verteilung seines dereinstigen (normalen) Nachlasses bestimmen kann, sondern auch über seinen Tod hinaus gültige Verfügungen zur Verwendung (Löschung/Weitergabe) seiner digitalisierten Daten treffen kann, ist angesichts der Fülle digital gespeicherter Daten und der stets wachsenden Mitteilungsfreude der Nutzer durchaus interessant. Allerdings wäre es naiv, sich darauf zu verlassen, dass die privaten Dienste die Verfügungen des Erblassers schon umsetzen werden.

Wer kontrolliert denn die Einhaltung der „Google-Einstellungen“? Die Erben? Im Zweifel ja. Die müssen dann mit transmortaler Vollmacht (Vollmacht, die über den Tod des Vollmachtgebers hinaus Gültigkeit haben soll) oder Erbschein in der Hand bei Google, Facebook, und allen anderen Diensten um Löschung oder Herausgabe der Daten bitten, notfalls vor Gericht klagen. Und: Die Erben können auch ganz legitime Interessen haben, dass die Daten – entgegen dem vom Verstorbenen (vielleicht unbedacht) geäußerten Wunsch – nicht gelöscht werden. Zum Beispiel gespeicherte Bilder mit Urheberrechten des Verstorbenen. Was dann? Google hat diesen Knackpunkt erkannt und meint hierzu, das digitale Testament des verstorbenen Nutzers werde „so weit beachtet, wie es innerhalb des gesetzlichen Rahmens erlaubt“ sei.

Na super.

Die Empfehlung müsste eigentlich lauten: Vertrauen Sie nicht auf das Urteil von Google & Co! Notieren Sie alle Login-Daten für Ihre Hinterbliebenen und verwahren Sie diese an einem sicheren Ort (z.B. Bankschließfach). Aber wer macht das schon? Neue Konten, Benutzernamen und Passwörter kommen ja fast täglich hinzu. Die Gefahr, dass die Einwahldaten in die falschen Hände kommen, ist groß. Das mag dem Erblasser zwar nach seinem Tod egal sein, aber Unbefugte können durchaus respektable finanzielle Schäden verursachen, solange die Konten noch nicht gesperrt sind. Das ist einem dann mit Rücksicht auf seine Hinterbliebenen dann doch wieder nicht egal.

Wohlgemerkt endet der Datenschutz nicht mit dem Tod. So muss zum Beispiel der Provider auch posthum das Briefgeheimnis beachten. Zugegeben, das Ganze ist skurril: Wer will z.B. Jahre nach dem Tod das Facebook-Profil eines verstorbenen Angehörigen sehen oder gar Massen von an den Toten geschriebener e-Mails sichten? Google erklärt, die „digitalen Erben“ könnten nicht etwa das Konto des Verstorbenen weiternutzen (das wäre ja auch noch schöner), sondern erhielten nur die Daten. Andere Dienste sind da schon konsequenter und löschen die Daten, so z.B. Yahoo. Facebook hat eine Art „virtuelles Grab„, auf das dann nur noch Freunde Zugriff haben. Uuh. Schaurig.

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