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Schatzfund im Nachlass

von Dirk Vollmer | 22.01.2013

Schatzfund: Der neue Eigentümer eines Mehrfamilienhauses staunte nicht schlecht, als er 2008 bei Renovierungsarbeiten Bargeld im Wert von 303.700 DM fand. Die Geldscheine lagen in zwei verschlossenen Stahlkassetten und waren in einem in die Wand gemauerten, ölbefeuerten Kachelofen versteckt.

Der Finder meldete den Fund der Polizei und das Geld wurde hinterlegt. Er gab sich aber mit dem Finderlohn von 4.668 € nicht zufrieden und behauptete, er sei Eigentümer geworden, weil ein so genannter Schatzfund vorlag (§ 984 BGB). Ein „Schatz“ ist nach der gesetzlichen Definition eine Sache, die so lange verborgen gelegen hat, dass der Eigentümer nicht mehr zu ermitteln ist.

Kurze Zeit nach der Fundanzeige erhob die Erbin der früheren Hauseigentümerin ebenfalls Anspruch auf das Geld. Der Fall wurde vor dem Landgericht Düsseldorf verhandelt (Urteil vom 27.7.201215 O 103/11). Die verstorbene Eigentümerin hatte bis 1971 ein Teppichgeschäft auf der Düsseldorfer Königsallee. Beim Verkauf zu Lebzeiten der Erblasserin wurden – nachvollziehbar – beträchtliche Einnahmen erzielt und die Familie der Erblasserin gehörte zu den reichsten Familien der Stadt.

Weil die Erblasserin nach Zeugenaussagen „kein tiefes Vertrauen gegenüber den Banken“ hatte, war vermutlich sie es, die die Banknoten im Kachelofen versteckte. Eine Zeugin erinnerte sich, die Erblasserin habe kurz vor ihrem Tod im Jahre 1993 gesagt:

Es gibt Menschen, die Geld im Kamin verstecken.

Außerdem befanden sich um die Geldscheine herum Banderolen mit Jahresangaben aus den siebziger Jahren. Aufgrund dieser Indizien war das Landgericht von der ursprünglichen Eigentümerstellung der Erblasserin an den beiden Stahlkassetten und dem darin deponierten Bargeld überzeugt. Andere Personen kamen als Eigentümer nicht in Frage. Die betroffene Wohnung stand seit 1993 leer. Nach zutreffender Auffassung der Richter widerspreche es „jeglicher Lebenserfahrung, dass ein unbekannter Dritter Geld mit einem Wert von über 300.000 DM in einem fremden Haus deponiert und es später nicht wieder abholt“.

Außerdem sei mit der Übertragung des Grundstücks jedenfalls keine Übertragung der im Kachelofen befindlichen Geldkassetten erfolgt. Denn bei diesen handle es sich nicht um Zubehör, also einem der Hauptsache dienenden Gegenstand.

Der neue Hauseigentümer versuchte noch zu argumentieren, es sei technisch unmöglich, die Geldkassetten über einen derart langen Zeitraum unbeschadet in einem befeuerbaren Kachelofen zu deponieren.

Letztlich lag also kein Schatzfund im rechtlichen Sinne (s.o.) vor, weil das Eigentum klar zugeordnet werden konnte. Die Erbin bekam das Geld, das ihr zustand.

 

Eine Schatzsuche kann sich durchaus lohnen. Wenn ein „echter“ Schatz entdeckt wird und infolge der Entdeckung in Besitz genommen wird, so erwirbt Eigentum zur Hälfte der Entdecker und zur Hälfte derjenige, in dessen Sache der Schatz verborgen war. Zumindest gibt es einen Finderlohn von 5 %. Anderes kann sich aus landesrechtlichen Vorschriften ergeben, zum Beispiel aus dem Ausgrabungsgesetz und dem Denkmalschutzgesetz.

Bargeld von mehr als 300.000 DM ist schon eine Menge. Aber buchstäblich den „goldenen Boden des Handwerks“ entdeckte Anfang 2012 ein Fliesenleger in einer Mietwohnung in Hannover. Er fand – direkmt unter dem Bodenbelag – rund 3 Kilo Goldbarren, Münzen und Silberbesteck im Wert von mehr als 100.000 €.

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Dirk Vollmer

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