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Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung

Die Ermittlung des Nachlassvermögens und die Verteilung unter den Miterben ist Sache der Erben. Dass eine Person mit Aufgaben der Testamentsvollstreckung oder Nachlassverwaltung betraut wird, ist also nicht der gesetzliche Regelfall.

Rechtsanwalt Vollmer verfügt über viel Erfahrung im Bereich Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung sowie Nachlasspflegschaft einschließlich Erbenermittlung im In- und Ausland. Das jeweilige Amt wird von Herrn Vollmer selbst ausgeübt, ansonsten beraten und vertreten wir Testamentsvollstrecker und Nachlassverwalter bei deren Aufgabenerfüllung.

Was bedeutet Testamentsvollstreckung?

Durch Testament oder Erbvertrag kann der Erblasser anordnen, dass ein Testamentsvollstrecker seine Verfügungen von Todes wegen ausführen soll. Mit der Testamentsvollstreckung kann er den Erben also in bestimmtem Umfang die Möglichkeit, über den Nachlass zu verfügen, entziehen. Inhalt der Testamentsvollstreckung und Umfang der Tätigkeit des Testamentsvollstreckers (Schweiz: Willensvollstrecker) ergeben sich aus den einzelnen Festlegungen des Erblassers in der letztwilligen Verfügung. Das Amt des Testamentsvollstreckers kann jede natürliche Person ausüben, auch ein Miterbe sowie jede juristische Person, wie z.B. eine Bank oder eine Treuhandgesellschaft.

Arten der Testamentsvollstreckung

Es gibt die reine Abwicklungsvollstreckung, die Dauer-Testamentsvollstreckung (beispielsweise solange ein Vorerbe lebt) oder verschiedene Kombinationen aus beidem. Es kommt auf die Anordnungen des Erblassers an. Wenn keine besonderen Regelungen zur Testamentsvollstreckung getroffen wurden, so gehört zu den Aufgaben des Testamentsvollstreckers die Ausführung der letztwilligen Verfügungen des Erblassers und – bei einer Erbengemeinschaft - jedenfalls die Auseinandersetzung unter den Miterben. Deshalb bietet sich die Testamentsvollstreckung als Dauervollstreckung besonders in den Fällen an, in denen der Erblasser über seinen Tod hinaus die Befolgung seiner Anordnungen wünscht oder das zu vererbende Vermögen nicht frei verfügbar machen will. Beispielsweise ist die Testamentsvollstreckung sinnvoll zum Schutz von Erben, die aufgrund von Erkrankungen labil sind und bei denen die Gefahr der Verschwendung besteht. Denn anders als beim Pflichtteil (dort höchstpersönliches Recht zur Geltendmachung) fällt die Erbschaft automatisch an und der Erbe ist verpflichtet, dem Treuhänder den Vermögenserwerb zu melden, denn ansonsten wird ihm die Restschuldbefreiung versagt und das angestrebte Ziel des Insolvenzverfahrens wird nicht erreicht.

Wie ist der übliche Ablauf einer Testamentsvollstreckung?

Ist Testamentsvollstreckung in Form der Auseinandersetzungsvollstreckung angeordnet, bestellt das Nachlassgericht den vom Erblasser benannten Vollstrecker oder wählt einen aus. Der Vollstrecker wird zunächst den Nachlassbestand ermitteln, Wertgegenstände in Besitz nehmen und verwahren und ein Vermögensverzeichnis erstellen. Bis zur endgültigen Aufteilung des Nachlasses übt er die Befugnisse des/der Erben aus. Er erfüllt Vermächtnisse und Ansprüche auf Pflichtteil und muss etwaige Nachlassgläubiger befriedigen. Sodann wird für die Testamentsvollstreckung ein Teilungsplan erstellt und nach Anhörung der Erben vollzogen. Der Vollstrecker hat sehr weitreichende Befugnisse und das Nachlassgericht kann nur in Ausnahmefällen einschreiten. Beispielsweise dürfen keine Nachlassgegenstände verschenkt werden. Das Amt des Testamentsvollstreckers endet mit der Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft, es sei denn es ist Testamentsvollstreckung für längere Dauer angeordnet.

Testamentsvollstreckung beim Behindertentestament

Hat der Erblasser ein behindertes Kind, das möglicherweise dauerhaft Sozialleistungen beiziehen wird, macht es Sinn, das Erbe zu beschränken durch Anordnung dauerhafter Testamentsvollstreckung. So kann vermieden werden, dass das Vermögen an den Staat fällt und gleichzeitig wird gesichert, dass behinderte Kinder – im Rahmen anrechnungsfreier Zuwendungen – trotzdem in den Genuss von Begünstigungen kommen.

Was ist die Nachlassverwaltung?

Die Nachlassverwaltung ist eine besondere Form der Nachlasspflegschaft. Sie dient allerdings nicht nur der vorläufigen Sicherung des Nachlassvermögens, sondern der Befriedigung der Nachlassgläubiger und führt gleichzeitig zu einer Haftungsbeschränkung. Der Erbe haftet für Nachlassverbindlichkeiten dann nur noch mit dem Nachlassvermögen und nicht mehr mit seinem übrigen Privatvermögen. Nachlassverwaltung ist deshalb beispielsweise bei einem extrem unübersichtlichen Nachlass zu empfehlen. Anders als die Testamentsvollstreckung wird die Nachlassverwaltung nicht vom Erblasser angeordnet, sondern es bedarf eines Antrages des/der Erben. Die Anordnung kann auch auf Antrag eines Nachlassgläubigers erfolgen, wenn ausreichend Masse zur Verfügung steht und zu befürchten ist, dass die Befriedigung der Nachlassgläubiger aus dem Nachlass durch das Verhalten oder die Vermögenslage des Erben gefährdet wird.

Was können wir in diesem Bereich für Sie tun?

Sollten Sie selbst Testamentsvollstrecker sein, bieten wir Ihnen kompetente Beratung und Vertretung im Rahmen Ihrer Testamentsvollstreckung, führen auf Wunsch die Kommunikation mit dem/den Erben.

Falls Sie als Erblasser erwägen, in Ihrem Testament Testamentsvollstreckung anzuordnen und uns die Aufgaben des Testamentsvollstreckers anvertrauen möchten, werden wir die Anordnungen mit Ihnen besprechen, damit wir Ihren Willen nach Ihrem Tode bestmöglich umsetzen können.

Wenn Sie als Erbe oder Nachlassgläubiger einen Antrag auf Anordnung der Nachlassverwaltung stellen möchten, können Sie uns im Antrag ans Nachlassgericht als Nachlassverwalter vorschlagen.

Ihr Ansprechpartner für Testamentsvollstreckung und Nachlassverwaltung ist, wie im gesamten Bereich des Erb- und Familienrechts, Rechtsanwalt Dirk Vollmer.

Ihr Ansprechpartner

Dirk Vollmer

Sekretariat Dirk Vollmer:
Alter Schlachthof 45
76131 Karlsruhe
Telefon +49 721 / 943114-17
Telefax +49 721 / 943114-10
office@schneideranwaelte.de

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Wichtige Begriffe

Pflichtteil

Im deutschen Erbrecht ist damit ein Anspruch auf Geldzahlung (nicht: Pflichtanteil bzw. Quote am Nachlass) gemeint, der demjenigen zusteht, der im Falle der gesetzlichen Erbfolge als Erbe berufen wäre, jedoch wegen einer letztwilligen Verfügung des Erblassers nicht zum Zuge gekommen ist. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, wobei der Nettonachlass aus bestimmten Billigkeitsgründen im Einzelfall korrigiert werden kann zur Berechnung des Pflichtteils.

vorweggenommene Erbfolge

Zu Lebzeiten wird Vermögen unentgeltlich übertragen auf eine potenziell erbberechtigte Person. Die Vermögensübergabe „mit warmer Hand“ ist grundsätzlich anzuraten, um die Freibeträge bei der Erbschafts- und Schenkungssteuer, die sich alle 10 Jahre erneuern, sinnvoll auszunutzen. Häufig möchte sich der Übergeber bis zu seinem Ableben den wirtschaftlichen Zugriff sichern. Im Falle einer Immobilie geschieht dies häufig durch Nießbrauchsvorbehalt, d.h. der bisherige Eigentümer behält insbesondere das Recht zur Ziehung von Nutzungen (Miete, Pacht oder Eigengebrauch).

Nachlassspaltung

Der Begriff beschreibt ein Phänomen, dass seinen Ursprung im Internationalen Privatrecht (IPR) hat. Nach dem deutschen EGBGB gilt einheitlich das Staatsangehörigkeitsprinzip, d.h. für einen deutschen Erblasser kommt grundsätzlich das deutsche materielle Erbrecht zur Anwendung. Hat der Fall Berührung zum Recht eines anderen Staates (z.B. dortiges Bankkonto oder Grundvermögen), ist möglich, dass das dortige IPR eine andere Anknüpfung hat, insbesondere den Belegenheitsort einer Immobilie – dann ist aus Sicht der deutschen Rechtsordnung der Nachlass „gespalten“, denn er unterfällt insoweit dem Rechts des jeweils anderen Staates und nur für den übrigen Nachlass ist deutsches Erbrecht anwendbar. Beispielsweise kommt es zwingend zu einer Nachlassspaltung, wenn ein deutscher Erblasser Immobilien und andere Vermögenswerte in Frankreich oder Spanien besitzt. Änderungen werden sich durch die EU-Erbrechtsverordnung ergeben (siehe unten).

Erbrechtsverordnung der EU

In grenzüberschreitenden Fällen bestimmt die Erbrechtsverordnung der Europäischen Union (Verordnung (EU) Nr. 650/2012 vom 04.07.2012) für alle Erbfälle ab dem 17.08.2015 welches Recht zur Anwendung kommt. Anknüpfungspunkt ist der letzte Wohnsitz des Erblassers. Eine abweichende Rechtswahl ist möglich, sogar im eigenhändigen Testament. Das ist im Einzelfall anzuraten, wenn ungewollte Ergebnisse vermieden werden sollen. Verfügungen, die vor dem 17.08.2015 getroffen wurden, bleiben auch nach diesem Datum zulässig und wirksam, wenn sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Mit der Verordnung wird außerdem erstmalig ein Europäisches Nachlasszeugnis eingeführt.

Zentrale Register der Bundesnotarkammer

Seit 2003 gibt es das Zentrale Vorsorgeregister. Dort können Vorsorgevollmachten und die Daten der Vollmachtgeber und Bevollmächtigten gespeichert werden, die dann bundesweit für die Betreuungsgerichte schnell abrufbar sind. 2012 ist das Zentrale Testamentsregister hinzugekommen. Für das im Erbfall zuständige Nachlassgericht wird damit die schnelle Auffindbarkeit gewährleistet. Gespeichert werden nur die Verwahrdaten, nicht der Inhalt der letztwilligen Verfügung. Automatisch geschieht die Anmeldung bei einer öffentlichen Beurkundung durch den Notar. Es können aber auch privatschriftliche Testamente dort aufgenommen werden, wenn sie in die besondere amtliche Verwahrung gegeben werden (Amtsgericht oder Notariat als Nachlassgericht).

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