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Ferienzeit | „Kinderarbeit“ in Süddeutschland?

von Dirk Vollmer | 11.08.2014

Gibt es in Deutschland noch Kinderarbeit?

[Achtung Satire!] Die Urlaubszeit rückt näher – bei anderen beginnt bald schon wieder das neue Schuljahr. Die süddeutschen Bundesländer haben auch dieses Jahr wieder eisern ihre späten Sommerferien verteidigt. Traditionell beginnen die großen Schulferien in Baden-Württemberg und in Bayern immer später als in den restlichen Bundesländern. Diese Tradition sei keine bayerische Extrawurst, sondern nach Darstellung von Dr. Ludwig Unger, Sprecher des bayerischen Kultusministeriums, „Konsens“ – auf der Kultusministerkonferenz abgesprochen.

Mit ziemlicher Regelmäßigkeit fordern die übrigen Bundesländer, die Süddeutschen sollen ihre Sonderrolle aufgeben und endlich auch an der gestaffelten Ferienzeit im rollierenden System teilnehmen, so auch dieses Jahr wieder. Die Staffelung der Ferienzeiten soll vor allem ein Verkehrschaos vermeiden. Dieses Ziel wird in 2014 möglicherweise nicht zu erreichen sein, denn ausgerechnet das bevölkerungsstarke Nordrhein-Westfalen geht spät in die großen Ferien – zeitgleich mit Bayern und Baden-Württemberg.

Das Privileg für die Süddeutschen wird übrigens noch immer damit begründet, dass in Bayern und Baden-Württemberg große Anteile landwirtschaftlich genutzter Flächen haben und die Bauern gerade in der Erntezeit jede Hand brauchen, eben auch die Mithilfe der schulpflichtigen Kinder. Ob das heute noch als Rechtfertigung dienen kann, ist fraglich. Heutzutage werden die meisten Feldfrüchte maschinell geerntet. Menschen sind zwar auch im Einsatz, aber längst nicht mehr so viele wie früher.

Ist Kinderarbeit nicht verboten?

In dieser Frage könnte ein geradezu vernichtendes Gegenargument stecken. Ich prüfe das mal familienrechtlich:

Der Staat muss Kinder vor wirtschaftlicher Ausbeutung schützen. Artikel 32 der UN-Kinderrechtskonvention von 1990 lautet:

„Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes an, vor wirtschaftlicher Ausbeutung geschützt und nicht zu einer Arbeit herangezogen zu werden, die Gefahren mit sich bringen, die Erziehung des Kindes behindern oder die Gesundheit des Kindes oder seine körperliche, geistige, seelische, sittliche oder soziale Entwicklung schädigen könnte.“

In Deutschland gibt es hierfür natürlich klare Regeln. Die Mithilfe Minderjähriger ist okay, solange sie freiwillig erfolgt und die Arbeitsbedingungen mit den Vorgaben des Jugend- und Minderjährigenschutzes im Einklag stehen.

Freiwillig? Von wegen! Kinder trifft sogar die familienrechtliche Pflicht zur Mithilfe!

Unser Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) appelliert in § 1618a BGB ausdrücklich an die aus dem Abstammungsverhältnis herrührende, zwischen Eltern und Kindern wechselseitig bestehende Pflicht zu „Beistand und Rücksicht“. Das klingt noch nicht eindeutig bzw. es kommt auf den Blickwinkel an. Wer muss in der Ferienzeit auf wen Rücksicht nehmen bzw. Beistand leisten?

Deutlicher wird der Gesetzgeber in § 1619 BGB:

„Das Kind ist, solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird, verpflichtet, in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“

Na also. Das wussten wir Eltern doch schon immer. Die Mithilfe der (eigenen!) Kinder ist keine Kinderarbeit.

Solange Du Deine Füße unter (…). Los, ran an die Kartoffeln! Und natürlich bleibt alles so, wie es ist…

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