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Gedanken zum Tag der Arbeit: Ist die Vereinbarkeit von Kind und Karriere eine Lüge?

von Dirk Vollmer | 28.04.2014

Vereinbarkeit von Familie und Beruf | Ist die Vereinbarkeit ein Märchen oder gar eine Lüge?

Google.de liefert zur Suche „Kind und Karriere“ in 0,43 Sekunden ungefähr 11,2 Millionen Suchergebnisse. Eigentlich klar, denn das Thema ist immer aktuell, solange die Menschen Nachkommen zeugen, in Gesellschaft leben und im Beruf nicht nur Dienst nach Vorschrift machen. Die Suchanfrage könnte aber auch lauten: „Wer will überhaupt Kind und Karriere“. Von werdenden Eltern hört man: Es wird schon alles klappen, „auch nach der Elternzeit und so“.

Richtig und so. Gesunder Zweckoptimismus und eine positive Grundeinstellung sind nie verkehrt. Die älteren Mütter und Väter überspringen diese Höflichkeiten und schenken gleich mal „reinen Wein“ ein: „Dein Mann Elternzeit? Vergiss es! Kindergarten geht ja noch, aber was machst Du in den ganzen Schulferien? Zeit für den Partner? Deinen Beruf kannst Du vergessen. Spätestens beim dritten Kind bleibst Du für immer Hausfrau“.

An der These der Vereinbarkeit wird Kritik laut. Zum Beispiel sieht Spiegel Online den „großen Vater-Kater“ (Artikel vom 15.04.2014), weil Elternzeit nun einmal mehr sei als Nichtstun. Ebenfalls aus Väter-Sicht titelte die Zeit: „Kinder und Karriere lassen sich nicht vereinbaren“ (zeit.de vom 31.01.2014). Alles andere sei eine „Lüge“. Es sei Zeit für mehr „Ehrlichkeit“. Man schmunzelt bei der Passage: „Also tüfteln wir mit unseren Partnerinnen einen Plan aus, gleichen die Terminkalender ab, die Woche im Halbstundentakt. Wer kümmert sich wann um die Kinder? Wer bringt sie zum Geburtstagsfest des Freundes? Wer fährt sie am Wochenende zum Turnier? Hier quetschen wir noch eine Stunde Sport rein, donnerstags geht sie zum Chor, da musst du um sieben da sein! Die Familie wird zur Fahrgemeinschaft, aus Paaren werden Partner in der Logistikbranche.“ (Zitat)

Die FAZ schreibt schärfer: Vereinbarkeit ist eine Lüge“ (faz.net vom 01.03.2014). Kinder und Karriere zusammen gebe es nicht. Trotzdem glaubten wir an die Illusion. Wer Karriere machen wolle, müsse viel arbeiten. Wer viel arbeite, habe wenig Zeit für Kinder. Von Frauen und Männern zu schreiben sei zwar politisch korrekt, aber es stimme nicht.

Nun gut. Nach der Geburt des Kindes ist für viele der Wiedereinstieg in den Beruf vielleicht weit weg oder auch einfach nicht mehr so wichtig. Berufstätigkeit bzw. der Wiedereinstieg nach der Elternzeit ist nicht gleichzusetzen mit „Karriere“. Vereinbarkeit von Familie und Beruf trifft es besser. Die Rahmenbedingungen sind gerade dabei sich zu verbessern: Kleinkindbetreuung, Hortplätze, Ganztagesschule, usw. Sind berufstätige Eltern alle Egoisten, alle Rabenmütter und Rabenväter? Darf man es seinem Kind überhaupt antun, seine Lebensvorstellung zu verwirklichen? Wer soll das beurteilen, wenn nicht die Eltern selbst? Mensch, steht zu euren Entscheidungen! Kinder sind gottseidank sehr anpassungsfähig, wie ihre Eltern auch.

Die Eltern aber geben (naturgemäß) den Ton an und die Richtung vor. Tun sie das liebevoll und verantwortungsvoll, bleibt eine Menge Zeit für Kinder und Beruf. Wenn es dann, vielleicht etwas später, sogar zur Karriere reicht, umso besser. Eltern, die trotz Kind weiterhin beide in großem Umfang berufstätig sein wollen, sind genauso wenig bescheuert wie alle anderen. Sie müssen sich natürlich mehr organisieren und sie müssen ihren Weg gehen, trotz Zweifel und Schwierigkeiten. Partnerschaft, Familie und Kinder müssen sich aber nicht in ein gesellschaftliches Korsett zwängen, das geschnürt wird von der Familien- und Rentenpolitik und der Werbung – oder desillusionierenden Zeitungsartikeln.

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