« zur Beitragsübersicht (alle Kategorien)

Ist die Volljährigenadoption eines nur 12 Jahre jüngeren „Kindes“ möglich?

von Dirk Vollmer | 10.02.2014

Die Adoption (Gesetzeswortlaut: Annahme als Kind) eines Volljährigen ist gar nicht so selten, wie man denkt. Es gibt viele Gründe für eine Wahlverwandtschaft mit einem volljährigen „Kind“. Meist ist über Jahre bzw. Jahrzehnte zwischen den „Annehmenden“ und dem „Anzunehmenden“ (wie es in der Rechtssprache heißt) eine intensive, verwandtschaftsgleiche Eltern-Kind-Beziehung entstanden.

Durch die Adoption kann rechtliche eine Verwandtschaftsbeziehung hergestellt werden – mit weitreichenden Rechtsfolgen, z.B. entstehen eine Erbberechtigung und wechselseitige unterhaltsrechtliche Verpflichtungen. Ein Motiv kann auch die Berechtigung zur Namensführung sein, wenn die Annehmenden einen prominenten Namen oder einen Adelstitel haben.

Kann einfach jeder jeden „einfach so“ adoptieren? Nein.

Voraussetzung für die  Volljährigenadoption ist stets eine sittliche Rechtfertigung (§ 1767 Absatz 1, erster Halbsatz BGB). Diese ist insbesondere dann gegeben, wenn eine besondere Verbundenheit im Sinne eines Eltern-Kind-Verhältnisses  bereits entstanden ist, der Volljährige also wie ein leibliches Kind des Älteren anzusehen ist. Das Kammergericht Berlin führte unlängst aus (Beschluss vom 04.04.2013 – 17 UF 42/13):

„Eine Volljährigenadoption kann nur ausgesprochen werden, wenn aufgrund aller erheblichen Umstände des Einzelfalles anzunehmen ist, dass sich eine bestehende Freundschaft und innere Verbundenheit im Sinne einer seelisch-geistigen Bindung zwischen Angehörigen verschiedener Generationen in einem Maße verdichtet hat, dass von einer Eltern/Kind ähnlichen Beziehung gesprochen werden kann, die es dann auch rechtfertigt, sie durch den Ausspruch der Annahme zu einer rechtlichen Wahlverwandtschaft zu verfestigen.“

In dem Fall, den das Kammergericht zu entscheiden hatte, ging es zentral um die Frage, wie groß der Altersunterschied zwischen den Beteiligten mindestens sein muss. Im dortigen Fall betrug der Abstand nur etwa 12 Jahre. Kann trotzdem eine Bindung angenommen werden, die einem Eltern-Kind-Verhältnis entspricht? Das Gericht verneint das. Es hatte auch – zu Recht – Zweifel, ob in der verhältnismäßig kurzen Zeit (die Beteiligten hatten sich erst eineinhalb Jahre vor Antragstellung kennengelernt) eine nach dem Gesetz erforderliche Bindung überhaupt entstanden sein kann. Zum Altersunterschied hat das Oberlandesgericht Hamm anders entschieden: Die Adoption eines Stiefkindes könne im Einzelfall auch dann in Betracht kommen, wenn der Altersunterschied zwischen Annehmendem und Anzunehmendem lediglich 13 Jahre und 7 Monate betrage (Beschluss vom 05.08.2013 – 8 UF 68/13).

Ist Hauptzweck der Volljährigenadoption eine Steuerersparnis bei Schenkung oder Erbschaft (als Kind günstigere Steuerklasse und höherer Freibetrag), wird die Adoption nicht erfolgreich sein. Es müssen also weitere Motive hinzutreten, die die gewünschte Volljährigenadoption sittlich rechtfertigen.

Wichtig zu wissen:

– Nach der Volljährigenadoption besteht eine Verwandtschaftsbeziehung nur zwischen dem/den Annehmendem/n und dem Volljährigen (§ 1770 BGB); anders als bei der Minderjährigenadoption erstrecken sich die Wirkungen die Adoption nicht auf die Verwandten des/der Annehmenden – also: Die Eltern des Annehmenden haben nicht etwa plötzlich ein Enkelkind mehr

– Die Annahme eines minderjährigen Kindes ist eine ganz andere Form der Adoption (§§ 1741 ff. BGB). Diese unterliegt anderen Voraussetzungen. Das Erfordernis einer sittlichen Rechtfertigung besteht nicht. Gleichwohl muss auch hier ein Eltern-Kind-Verhältnis bestehen und die Adoption muss dem Kindeswohl entsprechen. Die Wirkungen der Minderjährigenadoption sind (§ 1754 BGB, § 1755 BGB): Das minderjährige Kind erlangt (ohne Einschränkungen) die rechtliche Stellung eines Kindes des/der Annehmenden und grundsätzlich erlöschen die bisherigen Verwandtschaftsbeziehungen

Ihr Ansprechpartner bei Adoptionen und anderen familienrechtlichen Fragen ist Dirk Vollmer, Fachanwalt für Familienrecht

 

« zur Beitragsübersicht (alle Kategorien)

Dirk Vollmer

Dirk Vollmer

Sekretariat Dirk Vollmer:
Alter Schlachthof 45
76131 Karlsruhe
Telefon: +49 721 / 943114-17
Telefax: +49 721 / 943114-10
office@schneideranwaelte.de

vCardzum Profil ›

Suche

Autoren

Kategorien

Beiträge per Mail abonnieren

Hier können Sie kostenlos und unverbindlich unsere Beiträge abonnieren. Geben Sie einfach Ihre E-Mail-Adresse und Ihre gewünschten Kategorien an.