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Doping – Ist das (Kontroll-) System gescheitert?

von Dr. Markus H. Schneider | 04.02.2018

Doping – Ist das (Bereg-Kit) System gescheitert?

Klares ja, leider. Aber: Nicht aufgeben!

Das Scheitern liegt nicht allein an Russen, die nun doch bei der Olympiade starten dürfen oder am internationalen Sportschiedsgericht CAS in Lausanne, weil es Sperren gegen russische Athleten aufgehoben hat oder am Kollegen Bach, der als mächtigster Sportfunktionär eine schlechte Figur bei was immer abgeben mag.

Im Zweifel sind alle am Scheitern beteiligt, möglicherweise auch wir Sportjuristen. Jeder, der mit dem Finger auf andere zeigt, muss sich klar sein, dass drei Finger auf ihn zurück zeigen. Probieren Sie es einmal mit Ihrer rechten Hand aus. Gut, es sind die eigenen Finger, aber jeder wird das Bild verstehen. Ich habe auch keine Lösung und werde schon deshalb nicht moralisieren oder kluge Vorschläge machen. Ich liebe meinen Beruf und ich liebe vor allem den Sport. Wenn ich etwas zur Abhilfe beitragen kann, gerne.

Kurz möchte ich aber aus der Praxis berichten. Ich habe einen Sportler in einem Dopingverfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht (DSG – das ist das Pendant zum CAS auf nationaler Ebene) in Köln vertreten. Der Vorwurf lautete Manipulation einer Dopingprobe. Der Sportler soll – vom Kontrolleur unbemerkt – künstlichen Urin in Probenfläschchen, die sog. Bereg-Kits gefüllt haben.

Das Verfahren offenbarte verschiedene Merkwürdigkeiten. Zum Beispiel protokollierte der Kontrolleur, dass der Sportler die Urinabgabe unter seiner Sicht (ja, das muss so sein) abgegeben habe. Das erlaubte den Einwand zugunsten des Sportlers, wie dieser dann unbemerkt Kunsturin abgefüllt haben solle. Das ist nämlich gar nicht so einfach, selbst wenn man eines der zahlreichen Hilfsmittel auf dem Markt verwendet, wie präparierte Unterwäsche oder Kunstpenen (googeln Sie mal künstlicher Urin in der Bildersuche, Ihnen wird schlecht). In der mündlichen Verhandlung gab der Kontrolleur dann aber überraschend an, er habe gar keine direkte Sicht auf den Sportler gehabt, weil alles so eng in dem Raum gewesen sei, in dem die Kontrolle stattfand.

Der Schluss des Sportgerichtes – unterstützt durch die Nationale Anti Doping Agentur NADA  und das Doping-Labor in Köln – war eindeutig: Die Manipulation konnte nur vom Sportler kommen. Denn – und jetzt kommt es – die oben erwähnten Bereg-Kits (so heißen die Fläschchen nach dem Hersteller aus der Schweiz –  Information hier) seien ohne Zweifel nicht manipulierbar. Todsicherer Siegelverschluss und ebenso todsichere Markierung. Punkt. Alle Einwände und Beweisanträge, dass die Fläschchen doch manipulierbar sein könnten, hat das Sportgericht schlichtweg ignoriert. Der Sportler ist gesperrt worden. Geld für die aussichtsreiche Berufung vor dem CAS hatte er nicht und musste die zweijährige Sperre letztlich hinnehmen.

Nun kommt Hajo Seppelt, der bekannte Anti-Doping-Journalist, und weist nach, dass die Bereg-Kits, sogar die der neuesten Generation, sehr wohl und zwar sehr leicht manipulierbar sind. Sinngemäßes Zitat eines „Profis“: „Das dauert zwölf Minuten, inklusive Markierung.“ Zu der Markierung: „Wenn die Fälschung eines Geldscheins einen Schwierigkeitsgrad 10  hat, dann hat das Bereg-Kit eine 0,3.“

Da bleibt einem die Spucke weg und es fehlen die Worte.

Hier geht es zu dem wirklich sehenswerten Beitrag von Hajo Seppelt auf der ARD-Mediathek (Teil 2, der mit den Bereg-Kits). 

Es leben die freien Medien, selbst wenn sie einem manchmal auf den Wecker gehen mögen.

Dr. Markus H. Schneider, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, Karlsruhe. 

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