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Ein „Diskussionspapier“, das den Namen nicht verdient…

von schneideranwälte | 23.10.2012

Manchmal fällt es schwer, sachlich zu bleiben. Ich will es trotzdem versuchen:

Deutsche Fußballstadien sind ein vergleichsweise sicherer Ort. Setzt man die Besucherzahlen mit der Anzahl begangener Straftaten ins Verhältnis, ist ein Stadionbesuch weitaus weniger gefährlich, als der Besuch eines Volksfests, Diskothekenbesuchs oder einer vergleichbaren Veranstaltung. Die nackten Zahlen, die dies belegen, sind der Deutschen Fußballliga (DFL) und den Sicherheitsbehörden bekannt. Die Zahlen stammen ja von dort. Eigentlich könnte die DFL also stolz auf ihre Kunden sein und dies auch öffentlich erklären. Aber weit gefehlt….

Jüngst hat die DFL ein sogenanntes „Diskussionspapier“ an ihre Mitgliedsvereine geschickt. Es trägt den Namen „Sicheres Stadionerlebnis“. Hierin lobt die DFL zwar zunächst, dass sich die Sicherheit in deutschen Stadien „bereits heute auf höchstem Niveau“ befindet.  Aber dann kommt das Papier mit Ideen daher, die einem Rechtsstaat fremd sind. Um nur ein paar Besipiele zu nennen:

Der DFL schlägt seinen Mitgliedsvereinen beispielsweise vor, sie sollen Geldstrafen gegen Stadionbesucher verhängen, die sich danebenbenehmen – dabei obliegt die Strafgewalt nur dem Staat und nicht privatrechtlich organisierten Vereinen. Ein anderer Vorschlag ist die unterschiedslose Ganzkörperkontrolle aller Stadionbesucher durch private Ordner – obwohl hierzu nicht einmal die Polizei berechtigt wäre. Delikat ist auch die Aufforderung der DFL an die Polizei, Informationen aus laufenden Strafverfahren an Vereine weiterzugeben – obgleich die Datenweitergabe aus Strafverfahren sogar einen Straftatbestand erfüllen kann.

Was hat die DFL da nur geritten? Warum will sie Sicherheit „auf höchstem Niveau“ mit befremdlichen Maßnahmen verändern? Will die DFL ein Eigentor schießen? Oder will sie der hysterische Sicherheitsdebatte im deutschen Fußball gar einen Spiegel vorhalten? Man weiß es nicht…

Um in der Fußballsprache zu bleiben: Das vorgelegte Papier ist eine Steilvorlage für alle, die – wie die Arbeitsgemeinschaft Fananwälte – sachliche Kritik am „Sicherheitsapparat“ rund um den Fußball üben. Ein solches „Diskussionspapier“ kann nicht ernsthaft zur Diskussion stehen. 

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