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Haftung im Sport – Haftung im Verein

von Dr. Markus H. Schneider | 17.11.2012

Gericht sieht schwere Versäumnisse der Jugendtrainer – Ehrenämtler mit einem Bein im Gefängnis?

Die Frage nach der Haftung im Sport, respektive der Haftung im Verein sorgt für Schlagzeilen. Das Amtsgericht Achern hat in einem viel beachteten Verfahren zwei Fußballtrainer wegen fahrlässiger Tötung zu hohen Geldstrafen verurteilt. Stehen Ehrenämtler also doch mit einem Bein im Gefängnis? (vgl. Blog „Ehrenamt – Mit einem Bein im Gefängnis?)

Nein! Die Geschichte ist tragisch, für alle Beteiligten. Sie ist aber ein Einzelfall und nicht geeignet, allgemeine Risiken des Ehrenamtes zu beschreiben.

Was war geschehen?

An einem sonnigen und heißen Sommertag gingen die beiden Jugendtrainer mit 17 D-Jugendlichen (zehn bis zwölf Jahre) an einen Baggersee. Die 42 und 45 Jahre alten ehrenamtlichen Übungsleiter hatten sicher nur Gutes und Spaß für die Kinder im Sinn. Für das Training auf dem Gelände war es wohl zu heiß. Ganz ohne Training sollte es aber nicht sein. Also, entschloss sich das Trainerduo zu einem gemeinsamen Dauerlauf an einen nahegelegenen Baggersee mit anschließender Abkühlung. Teambuildung heißt das in „Übungsleiter-Neudeutsch“. Klingt gut und ist grundsätzlich auch gut. Grundsätzlich! An dem Baggersee war das Baden nämlich schlichtweg verboten. Der Baggersee gehörte zu einem Betriebsgelände und war an zwei Seiten eingezäunt. Ein zwölfjähriger Junge bewegte sich am flachen Uferbereich, rutschte ins steile Tiefwasser und ertrank.

Ob die Verurteilung der Trainer dem Grunde und der Höhe nach zu Recht erfolgte? Ohne die Akte zu kennen, kann das nicht seriös gesagt werden. In jedem Fall haben sich hier keine ehrenamtsspezifischen Risiken verwirklicht. Das Erwachsene auf Kinder aufpassen müssen, die ihnen anvertraut werden, dürfte allgemein bekannt sein. Dass dieses Aufpassen auf einem Sportgelände leichter fallen mag, als an einem zum Baden nicht geeigneten Baggersee, wird gleichfalls einleuchten. Die Trainer haben schlichtweg ihre Aufsichtspflicht verletzt und zwar ihre Aufsichtspflicht als Erwachsene an einem Baggersee gegenüber 17 Kindern, die sie dorthin geführt hatten und nicht als Jugendtrainer im Ehrenamt.

Die konkret in diesem Kontext geäußerte Kritik am Ausbildungssystem der Sportverbände ist unbegründet. Muss allen ernstes ausdrücklich in einer Ausbildungsordnung festgeschrieben werden, dass es riskant ist,  mit 17 Kindern an einen Baggersee zum Baden zu gehen, an dem das Baden verboten ist?

Selbstverständlich sind die Sportverbände generell in der Pflicht gegenüber „ihren“ Übungsleitern und Übungsleiterinnen. Spezifische Gefahren und Risiken im Umgang mit Kindern und Jugendlichen müssen Gegenstand von Lehrgängen und speziellen Seminaren sein. Zur Haftung im Sport bzw. zur Haftung im Verein darf es nämlich gar nicht erst kommen. Mit professioneller Hilfe gelingt das am Besten. Fragen Sie uns!

 

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