Sportrecht | 16.03.2019

Sport und Recht – So einfach ist das nicht! Der Fall Stefan Luitz

Dr. Markus H. Schneider

Fachanwalt für Handelsrecht und Gesellschaftsrecht

Sport und Recht – So einfach ist das nicht! Der Fall Stefan Luitz

Der Sport fasziniert in den Medien auch mit seinen juristischen Problemen. Das ist nichts Neues. Das ist Alltag. Internationale Sportgerichte, nationale Sportgerichte, Sportanwälte, Sportanwältinnen haben ebenso Einzug in die Sportberichterstattung gefunden, wie Ergebnisse, Tabellen, Ranglisten, Verletzungen oder ähnliches. Der Streit um Rechtsregeln gehört schlichtweg dazu.

CAS HEBT DISQUALIFIKATION GEGEN DEN DEUTSCHEN SKIRENNFAHRER AUF

Zum Wochenende gab der internationale Sportgerichtshof CAS (Court of Arbitration for Sport) bekannt, dass das Rechtsmittel gegen die Aberkennung seines Sieges im Riesenslalom von Beaver Creek erfolgreich war. Titel der Pressemitteilung des CAS lautete lapidar: „The appeal of Stefan Luitz is upheld.

WAS WAR PASSIERT?

Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) online berichtete am 09.12.2018:

„Luitz hatte sich im Riesenslalom von Beaver Creek am vorletzten Sonntag zwischen den Läufen Sauerstoff aus einer Flasche zugeführt. Er gewann das Rennen, sein erster Weltcup-Sieg, die Jury hiess das Ergebnis gut, Punkt. Danach erhielt der Weltverband (FIS) Bilder zugespielt, die Luitz bei der Inhalation zeigten. Auch andere deutsche Fahrer sollen diese Methode angewandt haben, bei ihnen gibt es aber keine Fotobeweise. Immerhin ist es so, dass die Deutschen dieses Vorgehen nicht abstreiten. Der deutsche Alpinchef Wolfgang Maier sagte früh schon, er verstehe es, wenn den Deutschen «ein Regelverstoss» vorgeworfen werde – aber er akzeptiere nicht, «dass wir gedopt haben. Wir betrügen nicht. Doping ist Betrügen. Aber das Einatmen von Sauerstoff ist laut Wada kein Betrug.»“

Die Rechtsauffassung der Deutschen hat das CAS nun bestätigt. Im Zweifel gehen die Regeln der Welt Anti Doping Agentur WADA vor. Luitz hat keinen Dopingverstoß begangen. Sein Sieg auf der Piste bleibt bestehen. Doppelter Sieg, doppelter Erfolg. Dann ist doch alles in Ordnung. Die Gerechtigkeit hat sich durchgesetzt. Erfolg ist doch alles was zählt. Hurra! Mehr können wir mit dem Sportrecht doch gar nicht erreichen.

DER SPORT HAT SEINE EIGENEN GESETZE

Wenn es so einfach wäre. Welchen Einfluss hatte der Rechtsstreit auf die sportliche Leistung von Luitz ?

Focus online berichtete im Vorfeld zur Ski WM am 11.01.2019 wie folgt:

„Neben den sportlichen Herausforderungen haben die deutschen Athleten mentale zu bewältigen, allen voran Luitz: Der eigentlich beste Riesenslalom-Fahrer muss seine nachträgliche Disqualifikation von Beaver Creek und die Aberkennung des ersten Weltcuperfolgs verdauen.“

Konsequenz dieser mentalen Belastung für Luitz? Eine völlig verkorkste Saison. Sportschau.de fasste die Skisaison des Athleten nach der Disqualifikation gut zusammen:

Skirennfahrer Stefan Luitz erlebt den nächsten Tiefschlag: Der Allgäuer, der im WM-Riesenslalom im schwedischen Are gestürzt war, zog sich einen Innenbandeinriss im linken Knie zu. Für Luitz ist die Saison vorzeitig beendet.

Luitz hatte im WM-Riesenslalom bereits im ersten Durchgang eingefädelt, war gestürzt und wurde direkt von der Strecke ins Krankenhaus ins knapp 100 Kilometer entfernte Östersund gebracht. Dort wurde in einer Untersuchung die Verletzung festgestellt. Dies teilte der Deutsche Skiverband (DSV) am Freitagabend (15.02.2019) mit. Luitz muss etwa vier bis sechs Wochen pausieren, damit ist die Saison für ihn vorzeitig beendet.

In der aktuellen Weltcup- und WM-Saison musste der 26-Jährige schon einige Tiefpunkte verdauen. Sein vermeintlich erster Weltcupsieg in Beaver Creek – es war sein erstes Rennen nach Verletzungspause – war ihm wegen der Einnahme von Sauerstoff aberkannt worden. Im Januar hatte sich Luitz dann bei einem Sturz in Adelboden die Schulter ausgekugelt. Das WM-Rennen in Are war sein erstes seit dieser Verletzung.

JEDER RECHTSSTREIT HAT ERHEBLICHE AUSWIRKUNGEN AUF DIE LEISTUNG DER SPORTLERINNEN UND SPORTLER

Meiner Erfahrung nach sind gerade Hochleistungssportler/innen hochsensibel. Um sportliche Höchstleistungen zu erbringen, benötigen sie hundertprozentige Konzentration. Jeder Hauch einer Ablenkung gefährdet den sportlichen Erfolg. Haben Sie schon einmal einen Rechtsstreit geführt oder haben Sie sich schon einmal ungerecht behandelt gefühlt? Dann kennen Sie die Last einer solchen Situation. Im Sport bedeutet der Erfolg im Rechtsstreit  nicht gleichermaßen sportlichen Erfolg. Der Fall Luitz hat es gezeigt. Das muss der hochsensible Sportjurist seinen Mandanten immer wieder erklären.

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Dann abonnieren Sie kostenlos unsere Beiträge per Mail.

Dr. Markus H. Schneider

Fachanwalt für Handelsrecht und Gesellschaftsrecht

KONTAKTDATEN

+49 721 / 943114-15

Ihre Nachricht

Ihre Nachricht wurde gesendet. Vielen Dank!

Bitte beachten Sie folgendes: Durch die Zusendung einer E-Mail kommt noch kein Mandatsverhältnis zustande. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir ohne vorherige Vereinbarung keine Rechtsberatung per E-Mail erteilen können und keine fristgebundenen und Frist wahrenden Erklärungen entgegennehmen. Die Datenübertragung per Internet ist risikobehaftet. Dies sollten Sie insbesondere bei der Übersendung vertraulicher Informationen bedenken. Sollten wir eine E-Mail erhalten, gehen wir davon aus, dass wir zu deren Beantwortung per E-Mail berechtigt sind.