Sportrecht | 03.01.2020

Sportrecht – Doping – Whistleblower

Dr. Markus H. Schneider

Fachanwalt für Handelsrecht und Gesellschaftsrecht

Whistleblower – WADA Code 2021

Nur noch ein Jahr

In einem meiner letzten Blogs https://www.schneideranwaelte.de/sportrecht/der-neue-world-anti-doping-code/ habe ich den neuen WADA-Code 2021 behandelt und angekündigt, die Änderungen vorzustellen.

Einfach nicht einfach

Bis jetzt bin ich zeitlich und schmählich gescheitert. Das Ding ist einfach nicht einfach. Herauszuarbeiten, was sich tatsächlich gegenüber der alten Version geändert hat, ist hartes Brot. Hilfreich ist eine Synopse.

Synopse

Im Vereinsrecht empfiehlt es sich bei Satzungs- oder Ordnungsänderungen eigentlich, die Vorstellung der Neuerungen in Form einer solchen Synopse https://de.wikipedia.org/wiki/Synopse. Dort werden eine alte Fassung und eine neue Fassung 1:1 eines Gesetzes, eines Vertragsentwurfes oder eben einer Anti-Doping-Regelung gegenüber gestellt. Etwas Ähnliches hat die WADA nun veröffentlicht, nämlich eine sog. redline-Version (siehe https://www.wada-ama.org/sites/default/files/resources/files/2021_wada_redline2015v2021.pdf)Dort sind die Änderungen wenigstens optisch hervorgehoben. Was das im Einzelnen für Sportlerinnen und Sportler bedeutet? Ich arbeite …

Änderungen WADA-Code 2021

Zunächst begnüge ich mich mit Änderungen, die die Dopingjäger des Sportes selbst hervorheben. Etwa auf der Internetpräsenz der österreichischen Anti-Doping-Institution findet sich eine Zusammenfassung auf Deutsch (https://www.nada.at/files/doc/Regelwerke-2021/Aenderungen-WADC-2021.pdf abgerufen am 03.01.2020).

Schutz für Whistleblower

Heute stelle ich die neu eingeführte Regel zum Schutz von Whistleblowern vor. Der WADA-Code 2021 stärkt Whistleblower. Whistleblower? Was das ist, dürfte mittlerweile jeder wissen … Edward Snowden …. (vgl. https://www.spiegel.de/thema/edward_snowden/ abgerufen am 03.01.2020).

Whistleblower geben der Öffentlichkeit wichtige und grundsätzlich gerade nicht für die Öffentlichkeit gedachte Informationen preis. Die Medaille – um in der Sportterminologie zu bleiben – hat zwei Seiten. Im angloamerikanischen Raum scheint der Whistleblower grundsätzlich akzeptiert. Hierzulande kennt man noch den Geheimnisverräter, den Denunzianten und den Spitzel. Kinder sind gegenüber der Petze kritisch eingestellt. Eher neutral ist der Begriff Informant. In unserem Rechtskreis kennt man auch den Kronzeugen (sehr gute Informationen zum Thema Whistleblower: https://www.anstageslicht.de/whistleblower/was-ist-whistleblowing/ abgerufen am 03.01.2020).

Gut oder schlecht, jeder sucht sich seine Seite der Medaille aus. Dabei ist es durchaus legitim, Doping-Blower zu belohnen oder zu beschützen.

Einschüchterung, Drohung, Vergeltung

Artikel 2.11. des WADA-Codes 2021 regelt wie folgt:

2.11

Acts by an Athlete or Other Person to Discourage or Retaliate Against Reporting to Authorities Where such conduct does not otherwise constitute a violation of Article 2.5: 2.11.1 Any act which threatens or seeks to intimidate another Person with the intent of discouraging the Person from the good-faith reporting of information that relates to an alleged anti-doping rule violation or alleged non-compliance with the Code to WADA, an Anti-Doping Organization, law enforcement, regulatory or professional disciplinary body, hearing body or Person conducting an investigation for WADA or an Anti-Doping Organization.

2.11.2

Retaliation against a Person who, in good faith, has provided evidence or information that relates to an alleged anti-doping rule violation or alleged non-compliance with the Code to WADA, an Anti-Doping Organization, law enforcement, regulatory or professional disciplinary body, hearing body or Person conducting an investigation for WADA or an Anti-Doping Organization. For purposes of Article 2.11, retaliation, threatening and intimidation include an act taken against such Person either because the act lacks a good faith basis or is a disproportionate response.

In der mitveröffentlichten WADA-Kommentierung zu dieser Vorschrift heißt es:

Comment to Article 2.10: Athletes and other Persons must not work with coaches, trainers, physicians or other Athlete Support Personnel who are Ineligible on account of an anti-doping rule violation or who have been criminally convicted or professionally disciplined in relation to doping. This also prohibits association with any other Athlete who is acting as a coach or Athlete Support Person while serving a period of Ineligibility. Some examples of the types of association which are prohibited include: obtaining training, strategy, technique, nutrition or medical advice; obtaining therapy, treatment or prescriptions; providing any bodily products for analysis; or allowing the Athlete Support Person to serve as an agent or representative. Prohibited association need not involve any form of compensation. While Article 2.10 does not require the Anti-Doping Organization to notify the Athlete or other Person about the Athlete Support Person’s disqualifying status, such notice, if provided, would be important evidence to establish that the Athlete or other Person knew about the disqualifying status of the Athlete Support Person.

Comment to Article 2.11.2: This article is intended to protect Persons who make good faith reports, and does not protect Persons who knowingly make false reports. Retaliation would include, for example, actions that threaten the physical or mental well-being or economic interests of the reporting Persons, their families or associates. Retaliation would not include an Anti-Doping Organization asserting in good faith an anti-doping rule violation against the reporting Person. For purposes of Article 2.11, a report is not made in good faith where the Person making the report knows the report to be false.

Die Vorschrift verfolgt letztlich das Ziel, Einschüchterungen, Drohungen oder Vergeltungsmaßnahmen zu sanktionieren, die darauf abzielen, Hinweise oder Informationen zu potenziellen Verstößen an die entsprechenden Stellen zu übermitteln. Ob es hilft? Das sehen wir in einem Jahr.

Fragen?

Haben Sie Fragen in Zusammenhang mit den gültigen Anti-Doping-Regularien? Vereinbaren Sie einen Besprechungstermin unter + 49 721 943 114 15 (Sekretariat Dr. Schneider). Wir freuen uns auf Ihren Anruf!

Dr. Markus H. Schneider

Fachanwalt für Handelsrecht und Gesellschaftsrecht

KONTAKTDATEN

+49 721 / 943114-15

Ihre Nachricht

Ihre Nachricht wurde gesendet. Vielen Dank!

Bitte beachten Sie folgendes: Durch die Zusendung einer E-Mail kommt noch kein Mandatsverhältnis zustande. Wir bitten Sie um Verständnis, dass wir ohne vorherige Vereinbarung keine Rechtsberatung per E-Mail erteilen können und keine fristgebundenen und Frist wahrenden Erklärungen entgegennehmen. Die Datenübertragung per Internet ist risikobehaftet. Dies sollten Sie insbesondere bei der Übersendung vertraulicher Informationen bedenken. Sollten wir eine E-Mail erhalten, gehen wir davon aus, dass wir zu deren Beantwortung per E-Mail berechtigt sind.